Autoren im Gespräch

Ein Gespräch mit Sophie Hundertmark

Warum ein Buch über Künstliche Intelligenz für Eltern und Kinder?  lesen


Interview mit Nikaus Starck

«Die Rondine soll über das Antiquariat und den 'schönen Buchladen' hinaus ein Ort der Begegnung werden.» 

Das wünscht sich Niklaus Starck, der Verleger und Autor des gerade erschienenen Buchs über die Libreria della Rondine. Gerne schliesse ich mich dieser Vision an. Nur bei der Vorstellung eines Kaminfeuers in der Rondine zuckte ich nervös zusammen. Das Interview lesen


Bücher und ihre Besitzer

Immer wieder halte ich Bücher in den Händen, die Geschichten erzählen – mit ihren Widmungen oder mit Briefen, die sie enthalten. Manchmal ist es ein Kleeblatt oder eine Menükarte. Hier gibt es einige dieser Geschichten.

 Karl Vester und seine Freunde

Beim Sortieren des Buchlagers bin ich auf mehrere Einzelstücke aus der Buchsammlung von Karl Vester gestossen. Karl Vester wurde 1879 in Vaihingen bei Stuttgart geboren und kam 1902 – also sehr früh – zu der Lebensreformer-Kolonie am Monte Verità in Ascona. Er starb 1963 in Ascona, wo er als «letzter Naturmensch» mit seiner Familie lebte. Die «Schulgrammatik der französischen Sprache» von 1883 trägt sein Exlibris von 1892. Zu diesem Buch gesellten sich weitere aus seiner ehemaligen Sammlung, in denen sich zum Teil Briefe und Widmungen befinden. 1945 erhielt er von Carl Franken, der 1914 als kaiserlicher deutscher Konsul in Lugano ins Amt gesetzt wurde (und anscheinend bis in die 40er Jahre gewirkt hat), ein Buch mit Widmung geschenkt. Im beigelegten Brief rührt die Einsamkeit des Alters.

Henry Jaeger – Manuskript auf Toilettenpapier in der Rondine

Henry Jaeger hat viele Bestseller geschrieben, ist heute aber kaum noch bekannt. Seine erste Bekanntheit erlangte er in den 50er Jahren als Anführer der Jäger-Bande, die schliesslich nach einem Überfall auf die Rentenzahlstelle der Post 1954 nach einer spektakulären Fahndung dingfest gemacht wurde. Zwölf Jahre Zuchthaus sah das Urteil für Jaeger vor. In dieser Zeit schrieb er seinen ersten Bestseller Die Festung, der 1962 erschien. Das Manuskript verfasste Jaeger heimlich auf Toilettenpapier mit Bleistift und wurde aus dem Gefängnis geschmuggelt. 1963 wurde Jaeger auf Bewährung begnadigt, und er widmete sich als Journalist und gefeierter Schriftsteller fortan dem Schreiben – und dem Alkohol, was ihm im Leben weitere Probleme bescherte (mehr über sein spannendes Leben hier). Er lebte und arbeitete seit 1965 in Ascona, wo er mit Erich-Maria Remarque befreundet war. 2000 starb Jaeger und wurde in Ascona beerdigt. 2019 erschien das Buch Der Gröschaz, der größte Schriftsteller aller Zeiten von Jakob Stein (B3 Verlag, Frankfurt).

. Video zu Jaegers Leben und zum Buch von Jakob Stein .

Familie von der Heydt – Pflichterfüllungsethos

Eduard von der Heydt war für Ascona eine wichtige Persönlichkeit. Er kaufte 1926 das Gelände am Monte Verità und lebte fortan in Ascona. Er stammte aus einem deutschen Familienclan, der es im Lauf der Geschichte zu Einfluss und Macht brachte, unter anderem als Financiers von Staat und Industrie über das  Bankhaus Heydt-Kersten & Söhne. Die Familie tat sich auch in der Politik und als Mäzene und Sammler in Kunst und Kultur hervor. Die Bank von der Heydt wurde später Teil der Commerzbank. Karl von der Heydt (1858-1922) pflegte neben seinem Beruf als Bankier die Liebe zur Literatur, unterstützte beispielsweise Rainer Maria Rilke. Die abgebildete Publikation verfasste er 1917; sie wurde 1939 wieder veröffentlicht. Verschenkt wurde das Büchlein von seiner Ehefrau Elisabeth von der Heydt. Bei der Beschenkten handelt es sich wahrscheinlich um Nina Andreae, die in den 30er und 40er Jahren verschiedene Positionen im Kölnischen Kunstverein inne hatte.
«Wir müssen», das sind zwei gute letzte Worte für einen deutschen Soldaten. Wir alle müssen!
Dieses Zitat aus dem Büchlein bringt den Pflichterfüllungsethos der Familie zu Kriegszeiten wahrscheinlich gut auf den Punkt. Der Journalist Francesco Welti hat sich mit der Familie von der Heydt in seinem Buch: Der Baron, die Kunst und das Nazigold intensiv befasst (2008, Huber Frauenfeld, Buch vergriffen, bei Bedarf bitte um Kontaktaufnahme).