Die Libreria Della Rondine wurde 1951 von Leo Kok als Antiquariat gegründet und bis in die achtziger Jahre geführt. 

Der 1893 in Amsterdam geborene Leo Kok wuchs in Den Haag auf, wo er am Königlichen Konservatorium  Musik studierte. Er galt als hervorragender Pianist, was nicht sein einziges Talent war: Eine weitere Leidenschaft galt dem Fussball. Mit der niederländischen National-Elf reiste er 1912 nach Paris, in eine Stadt, die lebenslang eine kulturelle Heimat für ihn wurde. Das Leben hatte aber nicht nur schöne Seiten für ihn parat: Seine konsequent pazifistische Haltung brachte ihm während des Ersten Weltkriegs drei Jahre Internierung in der Festung Den Helder ein. Nach seiner Freilassung setzte er sein Leben zwischen Abenteuerlust und Kultur fort: Er heuerte als Pianist an Bord eines transatlantischen Dampfers an, auf der Route von Rotterdam nach Rio de Janeiro. In den 20er Jahren begleitete er die in Ascona beheimatete Ausdruckstänzerin Charlotte Bara an Klavier und Harmonium und anderen exotischen Instrumenten.

Im zweiten Weltkrieg veränderte sich Leo Koks pazifistische Haltung – er leistete aktiven Widerstand. So liess er sich beim Londoner Secret Intelligence Service zum Gentleman Agent ausbilden. 1943 wurde er in Paris von der Gestapo, die Dokumente der Résistance in seinem Klavier fand, verhaftet und nach Buchenwald deportiert. Unter der Folter brach man ihm die Hände, was nach seiner Befreiung eine weitere Karriere als Pianist beendete. Er komponierte jedoch und baute sich mit seinen in Paris noch erhaltenen Buchbeständen ein neues Leben in der Schweiz als Antiquar auf. 

1951 eröffnete er in der 'Casa Serodine‘ in Ascona die 'Libreria della Rondine‘.

Buchliebhaber, Künstler und Intellektuelle kreuzten ihre Lebenswege in der Libreria della Rondine. So gehörten Hermann Hesse, Erich Fromm, Aline Valangin zu ihren Besuchern. Erich Maria Remarque vertraute Leo Kok seine Erinnerungen aus der Zeit im Lager Buchenwald an, welche in Remarques Roman Der Funke Leben einflossen.

Video über Leo Koks Leben (in englischer Sprache) .

Das Antiquariat befand sich seit den achtziger Jahren in wechselnden Besitzverhältnissen, die das Andenken an Leo Kok und das Antiquariat bewahrten (das Foto zeigt Angelika Sowinski).


Seit dieser Zeit hat sich der Buchmarkt sehr verändert. Buchhandel vollzieht sich heute zum guten Teil über Online-Shops, viele Bücher erscheinen zudem in elektronischer Form. Die Folge ist ein massiver Preisverfall vieler älterer Buchtitel, welche zudem in hoher Auflage produziert worden sind.

Mit der Zeit veränderte sich auch die Libreria Della Rondine. Ich übernahm im Januar 2020 die Libreria von Hans Hofmann (Foto), der 2015 die Räumlichkeiten modernisierte und in der Folgezeit die Rondine zu einem Treffpunkt für Medienschaffende entwickelte. 

Mein heutiges Konzept wird von mehreren Säulen getragen: Antiquariat, Novitäten, Non-Book-Produkte, Veranstaltungen und Verlagsservices. Schwerpunkte des Buchprogramms sind die Region Tessin, Natur, Gesundheit, Belletristik mit Bezug zur Region, illustrierte Bücher, Kunst, Fotografie in englischer, deutscher und italienischer Sprache.

Wenn auch aus diversen Gründen heutzutage auf gedruckte Bücher verzichtet wird, so ist doch das gut produzierte Buch noch immer eine Herzensangelegenheit. In diesem Rahmen bleibt die Liberia Della Rondine mit ihrem neuen Konzept der Tradition treu. 

 

Ich freue mich über alle Anregungen und Wünsche aus dem Freundeskreis der Libreria Della Rondine.

 

Karen Heidl, Februar 2020